Der Arbeitsbereich forscht und lehrt zu zentralen Fragen politischen Verhaltens und politischer Repräsentation. Im Mittelpunkt stehen das Wahlverhalten von Bürger:innen, politische Einstellungen gegenüber Parteien, Kandidat:innen und demokratischen Institutionen sowie Fragen der politischen Repräsentation im deutschen Mehrebenensystem und im europäischen Vergleich.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Frage, wie gesellschaftliche Konfliktlinien – etwa entlang von Werten oder Identität – politische Präferenzen und Wahlentscheidungen strukturieren. Dabei interessiert uns nicht nur, welche Parteien und Politiker:innen bestimmte Gruppen vertreten, sondern auch, wie Bürger:innen Repräsentation wahrnehmen und welche Konsequenzen diese Wahrnehmungen für ihr politisches Verhalten haben.
Ein weiterer zentraler Schwerpunkt widmet sich den politischen Einstellungen und dem Wahlverhalten sexueller und geschlechtlicher Minderheiten. Der Arbeitsbereich untersucht, unter welchen Bedingungen LGBTQ*-Personen eine distinkte politische Identität entwickeln und wie Diskriminierungserfahrungen politische Einstellungen, Partizipationsbereitschaft und das Vertrauen in demokratische Institutionen prägen. Hierzu analysieren wir auch, wie sich Einstellungen gegenüber dieser Personengruppe gestalten, verändern und wodurch dies determiniert wird.
Daneben beschäftigt sich der Arbeitsbereich mit dem Wandel des deutschen Parteiensystems – von der Analyse von Koalitionspräferenzen über die Entstehung neuer Parteien bis hin zur digitalen Wahlkampfkommunikation. Methodisch liegt der Fokus auf (repräsentativen) Surveys, Surveyexperimenten und vergleichenden Studiendesigns. Zur Entwicklung unserer Befragungen greifen wir auf die qualitative Analyse von semistrukturierten (Experten-)Leitfadeninterviews zurück. Punktuell arbeiten wir auch im Bereich der quantiativen Textanalyse.
Die Lehre des Arbeitsbereichs spiegelt diese Schwerpunkte wider und versteht exzellente Forschung und exzellente Lehre als zwei Seiten desselben wissenschaftlichen Anspruchs.
Unser Arbeitsbereich befasst sich mit politischem Verhalten, politischer Repräsentation sowie den Einstellungen der Bürger:innen gegenüber Parteien, Kandidat:innen und demokratischen Institutionen.
Im Zentrum stehen Fragen des Wahlverhaltens, der Parteienforschung und der politischen Kultur. Wir untersuchen, wie politische Präferenzen entstehen, wie sich gesellschaftliche Konfliktlinien auf politische Einstellungen und Entscheidungen auswirken und unter welchen Bedingungen sich Bürger:innen politisch repräsentiert oder ausgeschlossen fühlen.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der empirischen Analyse von Minderheiten, marginalisierten Gruppen und ihren politischen Erfahrungen.
Gefördert durch: European Research Council (ERC)
Sexuelle und geschlechtliche Minderheiten machen mindestens 10 Prozent der westlichen Bevölkerung aus – mit wachsendem Anteil insbesondere unter jüngeren Kohorten. Dennoch ist ihre politische Bedeutung wissenschaftlich kaum erfasst. Bestehende Studien zur politischen Mobilisierung von LGBTQ*-Personen konzentrieren sich auf wenige anglophone und westeuropäische Länder; Osteuropa bleibt in der vergleichenden Forschung bislang systematisch ausgeblendet.
VisibleQueers schließt diese Lücke mit der ersten umfassenden ländervergleichenden Studie zum politischen Verhalten sexueller und geschlechtlicher Minderheiten in Ost- und Westeuropa. Im Zentrum steht die Frage, unter welchen Bedingungen LGBTQ*-Personen eine distinkte politische Identität entwickeln – und welche Konsequenzen dies für Parteienbindung, Wahlverhalten und die Unterstützung politischer Systeme hat.
Das Projekt kombiniert qualitative und quantitative Methoden, darunter Survey-Experimente, und liefert damit erstmals belastbare empirische Evidenz für die politische Eigenständigkeit dieser gesellschaftlich relevanten, wissenschaftlich jedoch marginalisierten Gruppe. Die Befunde werden nicht nur zur Schließung zentraler Forschungslücken beitragen, sondern auch neue Impulse für das Verständnis von Identität, Repräsentation und demokratischer Legitimität in pluralistischen Gesellschaften setzen.
Leitung: Prof. Dr. Constantin Wurthmann
Geplante Projektlaufzeit: 04/2026-03/2031
Gefördert durch: Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
Die Zugehörigkeit zu soziostrukturell definierten Gruppen prägt das Wahlverhalten und die Struktur von Parteiensystemen – doch eine entscheidende Dimension wurde in der sozialwissenschaftlichen Forschung lange vernachlässigt: die sexuelle Identität. Eine wachsende Zahl internationaler Studien zeigt, dass die Selbstidentifikation als lesbisch, schwul, bisexuell, pansexuell oder asexuell einen bedeutenden Einfluss auf Wahlverhalten und politische Einstellungen hat. Unterschiede zwischen Heterosexuellen und sexuellen Minderheiten werden dabei insbesondere durch Diskriminierungserfahrungen, die Sozialisation im Zuge eines Coming-outs sowie die Einbettung in Netzwerke sexueller Minderheiten geprägt.
Obwohl in der Forschung häufig von einem solidarischen Gruppenbewusstsein unter Angehörigen sexueller Minderheiten gesprochen wird, wurde dieses bisher weder theoretisch ausreichend konzeptualisiert noch empirisch validiert. Unser Projekt setzt genau hier an: Wir erfassen sexuelle Identität theoretisch-konzeptionell und ziehen sie zur Erklärung von Wahlverhalten und politischen Einstellungen heran.
Ermöglicht wird dies durch die Erhebung eines einzigartigen Datensatzes, in dem mindestens 1.500 Angehörige sexueller Minderheiten sowie 2.000 Heterosexuelle befragt werden. Dieser Datensatz erlaubt eine systematische Untersuchung der Entstehung und Implikationen von Gruppenbewusstsein innerhalb einer empirisch vernachlässigten, marginalisierten Minderheit.
Neben den politischen Einstellungen und dem Verhalten der Befragten beleuchtet das Projekt auch die politische Angebotsseite: durch Wahlprogrammanalysen, die Untersuchung langjähriger Positionen parteiinterner LGBTQ*-Organisationen sowie qualitative Expert:innen- und Zielgruppeninterviews zur Diskussion und Validierung der entwickelten Indikatoren. Ergänzend werden Politiker:innen, die sich öffentlich als Teil sexueller Minderheiten identifizieren, zur LGBTQ*-Interessenvertretung in deutschen Parteien befragt.
Die gewonnenen Erkenntnisse haben das Potenzial, unser Verständnis der Beziehung zwischen Sexualität, sexueller Identität und politischem Verhalten nachhaltig zu verändern.
Leitung: Prof. Dr. Constantin Wurthmann
Geplante Projektlaufzeit: 01/2026-12/2028
Gefördert durch: Fritz Thyssen Stiftung
Politische Repräsentation ist eine der zentralen Aufgaben demokratischer Regierungssysteme – doch wie gut fühlen sich Bürger:innen tatsächlich vertreten? Dieser Frage widmet sich unsere Arbeitsgruppe mit einem aktuellen Forschungsprojekt.
Im Mittelpunkt steht die Frage, ob bestimmte gesellschaftliche Gruppen – etwa Arbeitnehmer:innen – die Interessen ihrer Klasse besser vertreten können als andere und welche Konsequenzen dies für die demokratische Regierungsführung hat. Im Kontext der bayerischen und hessischen Landtagswahlen 2023 untersuchen wir, wie Bürger:innen politische Repräsentation wahrnehmen – auf kommunaler, Landes- und Bundesebene.
Unsere Leitfrage lautet: „Wie nehmen Bürger:innen politische Repräsentation im deutschen Mehrebenensystem wahr – und welche Auswirkungen hat dies auf ihr politisches Verhalten?“
Zur Beantwortung dieser Frage haben wir eine bundesweit repräsentative Studie der deutschen Online-Bevölkerung durchgeführt – mit einer Überquotierung in Bayern und Hessen, um auch auf Länderebene aussagekräftige Analysen zu ermöglichen.
Leitung: Prof. Dr. Constantin Wurthmann und PD Dr. Martin Gross
Projektlaufzeit: 06/2023-12/2023
Weitere Mitglieder im Team
Die AG Politisches Verhalten und Repräsentation bietet Lehrveranstaltungen im Rahmen folgender Studiengänge an:
Politikwissenschaft (Bachelor of Arts)
Sozialkunde (Bachelor/Master of Education)
Politik- und Demokratieforschung (Master of Arts)
Politische Ökonomie und Internationale Beziehungen (Master of Arts)
European Studies (Master of Arts)
Informationen über die jeweiligen Studiengänge finden Sie unter diesem Link zu den Studiengangsinformationen.
Im Sommersemester 2026 werden folgende Lehrveranstaltungen von der AG Politisches Verhalten und Repräsentation angeboten:
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Sem (BA/MEd) LGBTQ* Individuals in Contemporary Politics
Dozent:in: Univ.-Prof. Dr. Lucas Constantin Wurthmann -
Sem (MA) Empirische Koalitionsforschung
Dozent:in: Univ.-Prof. Dr. Lucas Constantin Wurthmann
SoSe 2026
Folgende Lehrveranstaltungen wurden in der Vergangenheit durch die AG Politisches Verhalten und Repräsentation angeboten: